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14.10.2022, 13:37 Uhr
Doppeldorf-Artikel 10/2022
Inflationsprämie

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

man gewinnt den Eindruck, dass die Krisen einfach nicht enden wollen. Ich bemerke immer mehr, dass die Zukunftsängste zu gegenwärtigen Sorgen und Nöten werden. Und die Antworten der Politik darauf kommen – wenn überhaupt – nur verzögert. Viele Menschen sehen ihre wirtschaftliche Stabilität in Gefahr und entwickeln existenzielle Sorgen.

In meinem Job bei Leben mit Handicap – ANIMA e. V. werde ich vermehrt von Klienten aufgesucht, die mir ihre Einkommens- oder Rentenbescheide vorlegen und gleichzeitig Schreiben ihrer Gasversorger mitbringen. Und teilweise übersteigen die Gasabschläge das Einkommen. Ist das von der Politik ernsthaft so gewollt? Es macht mich wütend, wie mit Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, hier umgegangen wird. Es wird Rentnern ernsthaft ans Herz gelegt, ihre Häuser zu verkaufen, falls sie ihre Gasrechnungen nicht zahlen können. Häuser, die seit Jahrzehnten hier stehen und mit allen Schwierigkeiten zu DDR-Zeiten mit viel Eigenleistung errichtet wurden. So wird in unserem Land mit einer Lebensleistung umgegangen? Ich erwarte hier von der Regierung Lösungen!

Auch die Arbeitgeber-Seite ist gerade eine Katastrophe. Es wird eine 3.000 Euro „Inflationsprämie“ in Aussicht gestellt (Stand: September 2022 bei Redaktionsschluss). Natürlich hören Mitarbeitende das in den Medien und fragen entsprechend nach. 3.000 Euro steuerfrei sind eine gute Sache – gerade in diesen Zeiten. Aber die müssen tatsächlich zusätzlich gezahlt und vom Arbeitgeber finanziert werden.

Ein führender Politiker deklarierte das im Fernsehen sogar als „Steuervorteil“, da die Arbeitgeber diese Prämie als Betriebsausgaben geltend machen können. Auch hier möchte ich mal die Frage in den Raum stellen: Welcher Arbeitgeber braucht angesichts massiv gestiegener Kosten für Energie, Material und Co. ernsthaft noch weitere Betriebsausgaben? Wer erwirtschaftet hier noch deutliche Gewinne?

Fragen über Fragen, aber nur wenige Antworten! So kann es nicht weitergehen…

Ihre Anja Frohloff